Willibald-Gluck-Gymnasium

Walter Höllerer und die „Junge Amerikanische Lyrik“


Plakat Junge amerikanische Lyrik

Vom 29. Februar bis zum 18.April ist im Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg eine Ausstellung rund um das 50-jährige Jubiläum einer Anthologie zu sehen, die die deutsche Literaturszene der 60er Jahre und darüber hinaus stark beeinflusst hat. Es geht um den Sammelband „Junge Amerikanische Lyrik“, den Gregory Corso und Walter Höllerer in aufwändiger Zusammenarbeit erstellt und 1961 beim Carl Hanser Verlag in München veröffentlicht haben. Schüler des Neumarkter Willibald-Gluck-Gymnasiums haben im Rahmen eines P-Seminars die Schau auf die Beine gestellt.

Gregory Corso gehört zum engen Kreis der Dichter der sogenannten Beat Generation, die in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg die Literaturszene der USA gehörig aufmischten. Sie sprachen Themen an, die bis dahin eher tabu waren, und das in einer Art und Weise, die das Lesepublikum spaltete. Während die einen den wilden Lebensstil der jungen Autoren als asozial und gefährlich brandmarkten, wurde der frische Wind im Literaturbetrieb von anderen als revolutionäre Bewegung begrüßt. Höllerer, der Gründer des Literaturarchivs, hatte bei seinen Studienaufenthalten in Amerika Kontakt mit den „ jungen Wilden“ geschlossen, was zu einer fruchtbaren Kooperation führte. Einerseits brachte er Texte deutscher Schriftsteller in dem progressiven Literaturmagazin „Evergreen Review“ in den USA unter, andererseits machte er in seiner Zeitschrift „Akzente“ eine deutsche Leserschaft mit aktuellen amerikanischen Dichtern bekannt, deren couragierten Neuansatz er auch in der Anthologie zu dokumentieren half.

Dieses Buch bietet zwar einen Querschnitt, der über die Autoren der Beat Generation hinausgeht, das P-Seminar des Willibald-Gluck-Gymnasiums beschränkt sich aber in der Ausstellung auf diese Gruppe aus Gründen einer überschaubaren Gestaltung.

In fünf Vitrinen und an zwei Wänden versuchen die Schüler unter Leitung von Studiendirektor Horst Spandler dem Ausstellungsbesucher die Dimension der Anthologie nahezubringen. Einerseits soll die Entstehungsgeschichte des Buches beleuchtet, andererseits dessen Auswirkung auf die deutsche Literatur gezeigt werden. Zu sehen sind deshalb Dokumente der reichhaltigen Korrespondenz zwischen den involvierten Personen aus dem Fundus des Literaturarchivs. Zu den an der Anthologie Beteiligten gehören neben Gregory Corso unter anderen so bekannte Autoren wie Allen Ginsberg, Lawrence Ferlinghetti, Michael McClure, Gary Snyder und Jack Kerouac. Von den Schülern erstellte Übersetzungen der Originalbriefe werden ergänzt durch von ihnen verfasste Kurzbiographien einiger Schriftsteller sowie durch Objekte aus der Sammlung ihres Lehrers, u.a. durch Bücher, Poster, Schallplatten, DVDs und CDs.

Der Besucher kann auch in einem Album mit Grußbotschaften blättern, die Schriftsteller, Verleger und Literaturfreunde aus verschiedenen Ländern anlässlich der Ausstellung geschickt haben. Die mit der Anthologie ursprünglich erhältliche Schallplatte, die heute erheblichen Sammlerwert besitzt, ist an einer Audiostation zu hören. Digitalisiert hat die Scheibe der Leiter des Literaturarchivs, Michael Peter Hehl, der die Schüler in ihrem Unterfangen tatkräftig unterstützte und selbst schon mit seinem Vortrag „Notes from the Underground“ im Dezember letzten Jahres auf die Beziehungen zwischen Höllerer und den Beat-Dichtern aufmerksam gemacht hat.

Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis freitags von 9.00 bis 17.00 Uhr sowie sonntags, außer 8.4., von 14.00 bis 17.00 Uhr (am Sonntag ist nur der Ausstellungsbereich zugänglich). Montags ist das Haus geschlossen. Bei der Vernissage am Mittwoch, den 29. Februar, lesen die Schüler ab 18 Uhr vor allem aus den von ihnen übersetzten Briefen der „Beats“ an Walter Höllerer, den Kurzbiographien, die sie über die Dichter erstellt haben, und Gedichte aus dem Sammelband „Junge Amerikanische Lyrik“ .