Sie sind hier : Schüler > Märchenwald

Märchenhaftes am WGG

Wahlkurs Darstellendes Spiel überzeugt mit Märchen-Montage

Lap-top, Lebkuchen, eine riesige Prinzenrolle und Jakob Grimm als Zeuge in einem Verfahren gegen die jugendlichen Gewalttäter Hänsel und Gretel – vertraut und zugleich fremd war jener Märchenwald, den der Wahlkurs Darstellendes Spiel am Dienstagabend, dem 2. Juli in die Köpfe der Zuschauer zauberte.

Drei kurzweilige Akte lang konnten das gebannte Publikum „irrungen und wirrungen im deutschen märchenwald“ durchleben. Dabei begegneten die Zuschauer den vier Zwergen – die anderen drei befanden sich im Krankenstand - dem Froschkönig, der Prinzessin auf der Erbse und vielen anderen, also eigentlich dem gesamten Who-is-who der deutschen Märchentradition.

Gleich einem roten Faden geleitete kaum zufällig Rotkäppchen durch das illustere Programm. Aber entgegen der Gewohnheit oder den Erinnerungen aus Kindertagen handelten die vertrauten Figuren in der Gegenwart und oft ganz anders als erwartet. Der Froschkönig hat keine Lust auf Beziehungsstress mit der Prinzessin und wird stattdessen lieber Superstar. Rotkäppchen wird in einer Szene nicht gerettet und einfach aufgefressen.

In einer anderen erschießt sie den Wolf, weil junge Mädchen sich heute eben selbst zu helfen wissen. Hänsel und Gretel erscheinen in der Schlussszene als undankbare Mörder aus schwierigen Familienverhältnissen, die mit der sogenannten Hexe die Rivalin ihrer eifersüchtigen Mutter töten. Insofern erscheinen die Märchenversatzstücke erfrischend neu und bewirken einen interessanten Wechsel vermeintlich selbstverständlicher Perspektiven.

Die Schauspieltruppe hat ihre Sache auch wirklich gut gemacht. Textsicher und geschickt in Gängen und Szenenwechseln meisterten die über 20 Schüler und Schülerinnen aus den Klassen 5 bis 10 die durchaus anspruchsvolle Szenenabfolge. Durch das überzeugende Spiel und die gut durchgestellte Regieführung wuchs aus fünf eigentlich selbstständigen Stücken ein sinniges und anspielungsreiches Ganzes. Hier hat Frau Edith Viezenz-Kleinert als Regisseurin wirklich gute Arbeit geleistet. Aus der Feder von Frau Viezenz-Kleinert stammt auch die dramaturgische Bearbeitung der Stücke.

Dabei konnte der Zuschauer von sich selbst erzählenden Figuren bis zum epischen Erzähler alle Elemente des modernen Dramas in souveräner Ausführung erleben.

Durchaus erwähnenswert ist auch die musikalische Untermalung. Gleich kristall-kalten Prinzessinnen mit Courtney-Love-Blick in die Unendlichkeit tuschten Lena und Kerstin Himmler sowie Sandy Knauer mit Gitarre und Bass schneidende Blues- und Punkriffs in die Dunkelheit des deutschen Märchenwaldes.