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Schule und Drogen – eine Bestandsaufnahme

Nach derzeitigen Erkenntnissen sind fast 2 Millionen Deutsche akut alkoholkrank. Drogenkonsum ist, wie es scheint, in unserer Gesellschaft allgegenwärtig und vor diesem Hintergrund ist eine drogenfreie Schule eine Illusion.

Auch Schüler greifen zu Rauschmitteln, aber zu welchen, in welchem Ausmaß, ab welchem Alter und welche Rolle spielen dabei die illegalen Drogen?

Darüber verlässliche Zahlen an der eigenen Schule zu erhalten ist im Bereich Nikotin und Alkohol schon sehr schwierig, bei den illegalen Substanzen aber praktisch unmöglich. In der Stadt Regensburg wurde bereits 1999 eine Schülerbefragung zum Gebrauch psychoaktiver Stoffe bei Schülern der 9. Jahrgangstufe aller Schularten durchgeführt. Seit Januar liegen die Ergebnisse einer zweiten Studie aus der Stadt und nun auch aus dem Landkreis Regensburg vor.

Im Folgenden sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der ersten und der aktuellen Erhebung zusammengefasst, die einen Einblick in das Konsumverhalten der Jugendlichen ermöglichen.

  • Wer wurde befragt?

    Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei knapp über 15 Jahren. Dabei wurden mehr als 50% der Landkreis- und fast 60% der Stadtschüler beiderlei Geschlechts erfasst, von denen 44% die Hauptschule, 32% die Realschule und 24% das Gymnasium besuchten.

  • Konsumverhalten im letzten Monat vor der Befragung

    Genau drei Viertel aller Schülerinnen und Schüler griffen mindestens einmal zu Alkohol und etwa die Hälfte rauchte Zigaretten.

    Viel schwerer wiegt, dass immerhin 12 % im letzten Monat Cannabis (Haschisch und Marihuana) konsumiert haben, und dass knapp ein Drittel täglich rauchte, wobei dieser Wert bei einer bundesweiten Umfrage vor 10 Jahren noch bei nur 20% lag. Im Gegensatz zu anderen westlichen Ländern, wie z.B. den USA, wächst bei uns eine Generation von Rauchern heran mit all den hinlänglich bekannten Spätfolgen.

    Da beruhigt es nur bedingt, dass der Anteil der Schüler, die harte Drogen konsumierten, relativ gering war und zwischen 0,5% (Heroin) und 2% (Ecstasy) lag.

  • Konsum und Alter

    Das Durchschnittsalter der Erstkonsumenten liegt für Nikotin bei 12,3 Jahren, für Alkohol bei 12,7 und für Cannabis bei 14,1 Jahren. Wie zu erwarten, steigt dann der Anteil der Schüler, die zur Droge greifen, mit dem Alter kontinuierlich an. Daraus lässt sich folgern, dass zum einen präventive Maßnahmen nicht früh genug ansetzen können und dass Aufklärung und Hilfe durchgängig angeboten werden müssen.

  • Konsumenten illegaler Drogen

    Der Schwerpunkt liegt ganz eindeutig im Bereich der Cannabisprodukte, da 95% dieser Gruppe regelmäßig zu Haschisch oder Marihuana greifen. Je circa 10% nehmen Heroin und Kokain. Für Ecstasy liegen hier keine Angaben vor.

    Auffällig ist, dass sich die Konsumenten illegaler Drogen zu mehr als 90% aus dem Lager der täglichen Raucher und regelmäßigen Alkoholtrinker rekrutieren. Nikotin und Alkohol sind demnach die Einstiegsdrogen schlechthin und damit auch die zentralen Themen der Drogenprävention in der Schule. Raucher trinken im übrigen auch öfter und mehr Alkohol als Nichtraucher.

  • Konsumverhalten im Elternhaus und Freundeskreis

    Mehr als die Hälfte der Eltern raucht, etwa ein Drittel trinkt regelmäßig Alkohol und weniger als 5% werden als abstinent beschrieben. Diese Zahlen bedürfen keines Kommentars. Auffällig ist, dass viele Jugendliche, die selbst keine illegalen Drogen nehmen, Konsumenten in ihrem Bekanntenkreis haben.

    Die Mehrheit der Raucher gibt an, dass Freunde und Bekannte zum Konsum animieren, und immer-hin 17% verspüren einen regelrechten Druck von dieser Seite. Den viel zitierten Gruppenzwang scheint es also doch zu geben.

  • Beschaffung illegaler Drogen

    Als Beschaffungsorte werden mit abnehmender Häufigkeit die Wohnung von Freunden, Discos, Lokale, Parks und von beinahe der Hälfte der Befragten auch das Umfeld der Schule genannt.

  • Gründe für den Konsum / Nichtkonsum

    Knapp 50% der Befragten nannten als Grund für den Konsum illegaler Drogen „es einfach mal ausprobieren zu wollen und etwa 8% würden es „aus Langeweile“ tun. Neben den Hauptmotiven Neugier und Spaß wird aber auch das Vergessen und Verdrängen von Problemen angeführt.

    Jeweils etwa die Hälfte der Jugendlichen hat Probleme mit schlechten schulischen Leistungen und mit den Eltern und immerhin mehr als ein Viertel mit den Lehrern. Man sollte deshalb nicht gleich der „Kuschelpädagogik“ das Wort reden, eine dauerhafte überforderung durch falsche Schulwahl etwa oder auch überzogene Erwartungen von Seiten der Eltern können aber den Nährboden bereiten, auf dem der Wunsch, der Realität mit Hilfe von psychoaktiven Substanzen zu entfliehen, gedeihen kann.

    Erfreulicherweise sind es doch fast 60% der Schüler, die alle zur Auswahl gestellten illegalen Drogen komplett ablehnen. Dabei ist für 78% die Angst vor Abhängigkeit ausschlaggebend, während die Angst vor Eltern und Lehrern nur für ein Drittel eine Rolle spielt.

  • Wissenstand der Schüler

    Mehr als zwei Drittel der Befragten schätzen ihren Wissensstand über Suchtmittel als sehr hoch ein. Bemerkenswert ist, dass Nichtkonsumenten ihr Wissen hauptsächlich aus dem Schulunterricht beziehen, während für Konsumenten illegaler Drogen der Unterricht im Vergleich zu Informationen von Freunden eine untergeordnete Rolle spielt. Damit wird verständlich, warum man meistens durch die Einbindung von ehemaligen Süchtigen in die Drogenprävention eine sehr gute Akzeptanz erreicht. Wenig ermutigend für die Aufklärungsarbeit ist die große Diskrepanz zwischen dem subjektiv guten Wissen über das Gefahrenpotential der Droge und dem tatsächlichen Konsum der Schüler, etwa beim Rauchen.

  • Bewertung der Ergebnisse

    Die neuen Zahlen zeigen eine erstaunliche übereinstimmung mit denen der ersten Befragung, was für die Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit der Jugendlichen bei der Beantwortung und damit auch für die Qualität und die Aussagekraft der Studie spricht.

    Es gibt keine plausiblen Gründe dafür, dass die Verhältnisse in Neumarkt besser oder schlechter als in Regensburg sind, so dass die Ergebnisse durchaus auf die Neumarkter Schulen übertragbar sind.

    Es existieren praktisch kaum mehr signifikante Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen und zwischen Stadt und Landkreis, ein Ergebnis, dass sich sowohl mit den Ausführungen von Herrn Lukas bei der Informationsveranstaltung des Elternbeirates als auch mit den Beobachtungen zum Rauchverhalten der Schüler am WGG deckt.

    Konkrete Zahlen für das WGG sind weder der Schulleitung noch dem Beauftragten für Suchtprävention bekannt. Es gibt sie schlichtweg nicht. Nach Auskunft der Neumarkter Polizei ist seit vielen Jahren kein einziger Fall im Zusammenhang mit Drogen am WGG aktenkundig geworden.

    Das heißt nicht, dass es an unserer Schule keine Probleme mit Drogen gibt.

  • Auch Teile unserer Schülerschaft trinken zu viel und das bereits in sehr jungen Jahren. Völlige Abstinenz kann nicht das Ziel sein, aber muss es wirklich sein, dass sich Fünfzehnjährige auf Geburtstagsfeiern mit Duldung der Eltern sinnlos betrinken?
  • Es wird trotz aller Bemühungen von Seiten der Schule immer mehr geraucht, was sehr bedenklich ist, da die Bereitschaft illegale Drogen zu probieren signifikant steigt, je höher der Nikotinkonsum der Schüler ist.
  • Bundesweit und auch in Neumarkt gibt es seit Jahren einen Trend hin zur Verharmlosung von Marihuana, verbunden mit ständig steigendem Konsum. Auch das dürfte am WGG nicht spurlos vorüber gegangen sein.
  • Eine aktuelles Problem sind synthetische Drogen, die aus Tschechien relativ preiswert auf den bayerischen Markt kommen und deren Gefahrenpotential weit unterschätzt wird.
  • Prinzipien der Suchtprävention *
  1. Suchtprävention ist eine Gemeinschaftsaufgabe und kann nicht an einzelne Personen delegiert werden.
  2. Erfolgreiche Suchtprävention muss im Kindesalter beginnen, denn Vorsorge ist besser als Behandlung.
  3. Seelisch gesunde und zufriedene Kinder zeigen später ein deutlich geringeres Suchtrisiko. Starke Kinder können von sich aus Nein sagen.
  4. Wer gelernt hat, Konflikte mit sich und anderen eigenverantwortlich zu lösen, braucht keine Scheinlösungen in Form von Drogen.
  5. In der Regel zeigen Kinder, lange bevor sie süchtig werden, deutliche Warnsignale.

    * nach Dieter Krowatschek, Nein sagen können: Suchtvorbeugung

Die Schule muss sich dieser Aufgabe stellen und sie tut es auch. Alljährliche Veranstaltungen für ganze Jahrgangsstufen, das Bemühen der Biologie-, Religions-, Deutschlehrer und vieler anderer darf aber kein Alibi sein für das Elternhaus, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Im Kindesalter werden die Weichen gestellt und die Einflussnahme des Gymnasiums ist leider begrenzt.

Manuela Seidl. Beauftragte für Suchtprävention