Willibald-Gluck-Gymnasium

Vertretungsstunde mit GO

Seit Dezember überrasche ich etliche Klassen damit, dass ich in den Vertretungsstunden mit einem Koffer voller GO-Übungsbrettern und Steinen auftauche und den Schülern erkläre, dass ich ihnen in dieser Stunde das GO-Spiel näherbringen möchte.

Nachdem die erste Verwirrung („Was ist denn das?!“) beseitigt ist und ich die sehr einfachen Regeln des Spiels kurz mit Hilfe eines Magnet-Spielbretts erklärt habe, sind alle Feuer und Flamme, das so einfach anmutende Spiel selbst auszuprobieren.

Und immer wieder ist es faszinierend zu sehen, wie die Schüler schon nach nur wenigen Zügen bemerken, dass die Regeln des Spiels zwar wirklich sehr einfach sind, die Komplexität des Spieles insgesamt aber sehr groß ist.

Mich selbst hat diese Komplexität vor 10 Jahren in seinen Bann gezogen. GO ist ein Strategiespiel, das zum einen logisches Denken, mathematische Fähigkeiten und das Erinnerungsvermögen fördert und fordert, auf der anderen Seite aber auch Kreativität, Urteilskraft und Intuition braucht. GO fördert damit nachweislich die Intelligenz. Kein anderes Brettspiel der Welt bietet so viele Möglichkeiten.

Es ist kein Wunder, dass bis vor kurzem kein Computer in der Lage war, einen Menschen zu besiegen. Erst 20 Jahre nach dem Sieg DeepBlues gegen Kasparow im Schach gelang es nun AlphaGo professionelle Go-Spieler zu schlagen. Und auch das nicht vollständig.

Der Ursprung des GO-Spiels ist vor über 3.000 Jahren in China zu suchen. Dort wurde es unter dem Namen "Wei-qi" unter sagenumwobenen Umständen erfunden und gilt heute als ältestes Brettspiel der Welt. Im ersten Jahrtausend nach Christus gelangte das Spiel nach Japan und wurde dort zu der uns heute bekannten Form weiterentwickelt. Noch heute ist GO in China, Japan und Korea wesentlicher Teil der Kultur. GO ist dort in den Schulen teilweise reguläres Unterrichtsfach. In Seoul beispielsweise ist eine der bedeutendsten Universitäten, an denen man Baduk – wie GO in Korea genannt wird - studieren kann.

Mit meinen Bemühungen, GO an unserer Schule bekannt zu machen, verfolge ich meinen Traum, GO als Wahlfach in den nächsten Jahren am WGG etablieren zu können. In Erding am KAG ist Go schon seit 1998 Wahlfach und die Schüler trifft man überregional an Turnieren. Und ich hoffe, dass auch Schüler des WGG einmal mit von der Partie sind. Ich finde, dass Go eine wunderbare Möglichkeit ist, vom regulären Unterricht etwas Abstand zu gewinnen und dennoch viel zu lernen. Man begegnet auf dem Spielbrett nicht nur dem Gegner, sondern auch immer wieder sich selbst, mit all seinen Ecken und Kanten. Und mit jedem Zug lernt man – für das Spiel, für sich selbst, fürs Leben. In unserer Bibliothek steht im Übrigen Spielmaterial zur Verfügung, so dass alle, die Interesse haben, jederzeit das Spiel spielen können.

Für Fragen oder eine Partie stehe ich jederzeit zur Verfügung!

Carmen Pilny

Mehr Informationen erhalten Sie auch unter www.dgob.de.