Willibald-Gluck-Gymnasium

Schülergruppe „Wir gegen Gewalt“ (WgG) des Willibald-Gluck-Gymnasiums mit „Hans Weber Preis für mehr Demokratie und Toleranz 2011“ ausgezeichnet

Hans Weber Preis
Hans Weber Preis
v.l.n.r Joachim Wolbergs, Bürgermeister, Johannes Lochner, Florian Thurow

Als einer von insgesamt drei Preisträgern wurde die Arbeitsgemeinschaft „Wir gegen Gewalt“ (WgG) des Willibald-Gluck-Gymnasiums Neumarkt für ihr fortgesetztes und intensives Engagement mit dem „Hans Weber Preis für mehr Toleranz und Demokratie 2011“ ausgezeichnet. In der Feierstunde in der Weinschenkvilla in Regensburg konnten zwei Vertreter der Neumarkter Schülergruppe am 11. Dezember 2011 vor Vertreterinnen und Vertretern aus Gesellschaft und Politik den Preis entgegen nehmen und über ihre Initiativen und Ziele berichten.

„Der Preis ist für uns eine große Ehre. Er ist Auszeichnung des bisherigen Engagements unserer Gruppe als auch Ansporn und Verpflichtung, sich in Zukunft im Sinne von Hans Weber für Demokratie und Toleranz in unserer Gesellschaft aktiv einzusetzen.“ Mit diesen Worten endete die Vorstellung seiner Schülergruppe „Wir gegen Gewalt“ durch den Zehnklässler Florian Thurow. Mit ihm waren der gleichaltrige Johannes Lochner und ihre betreuende Lehrkraft, Dr. Thomas Kraus, nach Regensburg gekommen, um den Preis stellvertretend für Arbeitsgruppe und Schule entgegenzunehmen. Die Auszeichnung für die Neumarkter ist mit einem Geldbetrag von € 750.- verbunden, der für die weiteren Projektaktivitäten Verwendung finden wird.

Hans Weber Preis
v.l.n.r Joachim Wolbergs, Bürgermeister, Johannes Lochner, Florian Thurow

Der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Regensburg und Bürgermeister Joachim Wolbergs betonte in seiner Moderation der kurzweiligen Veranstaltung das hohe zeitliche und bürgerliche Engagement einer Schülergruppe, die als Reaktion auf eine Flyerverteilaktion der NPD vor dem Schulgelände erstmals aktiv wurde. Neben den jährlich stattfindenden Aktivitäten wie Zeitzeugengespräche, Anti-Mobbing-Aktionstage und Unterrichtsstunden zum Thema Gewalt wussten die beiden WGG-Schüler Johannes und Florian auch von den Projektwochen über Rechtsextremismus mit Ausstellung und Begleitprogramm sowie der intensiven Zusammenarbeit mit der Schwarzachtal-Mittelschule in Berg zu berichten. „Schließlich haben sich beide Schulen durch ihren Status als Schule-ohne-Rassismus/Schule-mit-Courage verpflichtet gegen Ausgrenzung und für ein friedliches Miteinander einzusetzen,“ so Johannes. Demnach wolle man mit den Bergern in diesem Schuljahr unter anderem noch eine Fingerabdruck-Aktion für Toleranz und einen aufsehenerregenden Flashmob („Hinschauen & Handeln“) veranstalten. Zunächst aber steht die Befragung der Schüler beider Schulen über ihre Einstellung gegenüber Fremden und Ausländern an.

Wer sich mit dem Leben Hans Webers (1912-2003) beschäftigt, gewinnt rasch den Eindruck, wie sehr der Sozialdemokrat und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime seine Überzeugungen über alle Gefahren und Repressalien stellt und „wie sehr er,“ so Wolbergs, „äußerst zufrieden wäre mit der Auswahl der immerhin aus 18 Bewerbungen ausgewählten Initiativen.“ Als Mitglied eines Widerstandskreises wurde er schon 1934 mit Familienmitgliedern verhaftet. Zuchthaus und Konzentrationslager Aschendorfermoor (als „Moorsoldat“) überstand er ebenso wie das Strafbataillon 999, das meist als Minenräumtrupp eingesetzt war. Während der Zeit in französischer Kriegsgefangenschaft von 1943 bis 1947 engagierte er sich weiter für Demokratie und Toleranz. Von 1961 bis 1972 war er Bürgermeister von Regensburg und als Zeitzeuge bei zahlreichen Veranstaltungen aktiv. Viele Auszeichnungen spiegeln sein unermüdliches Engagement wider, u.a. das Bundesverdienstkreuz am Band. Sein Widerstandskampf selbst sowie seine Mahnungen für die Gegenwart gegen den rechten Wahn und für einen aktiven Einsatz für Demokratie machen ihn auch heute noch zu einem Vorbild, nicht nur für Jugendliche. Ihm zu Ehren wurde der „Hans-Weber-Preis“ nach 2006 und 2009 nun zum dritten Mal verliehen.

Hans Weber Preis
v.l.n.r (1. Reihe) Margit Wild, MdL, Christa Meier, Oberbürgermeisterin a.D.

Nach Grußworten von Bezirkstagspräsidenten Norbert Hartl und Landtagsabgeordneter Margit Wild wie dem Hauptvortrag von Christa Meier, ehemalige Oberbürgermeisterin von Regensburg, konnte Joachim Wolbergs in Anwesenheit der Familie Weber im historischen Ambiente der Weinschenkvilla in Regensburg Blumen und Anerkennungsurkunde an die drei Preisträger überreichen: Neben „Wir gegen Gewalt“ des Willibald-Gluck-Gymnasiums Neumarkt erhielt die beeindruckende Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ (http://www.keinebedienungfuernazis.de), die in rassistischen Vorfällen in einem Regensburger Lokal und dem beherzten Eingreifen Einzelner ihren Ausgang nahm, ebenfalls die Auszeichnung. Mit ihrem Engagement sollen immer mehr Inhaber und Betreiber von gastronomischen Betrieben zu einem klaren Zeichen gegen Rechts motiviert werden. Der Sonderpreis ging an den Schwandorfer Realschüler Johannes Hartl, der schier unermüdlich und mit bewundernswertem Enthusiasmus den Aktivitäten der rechten Szene wie der NPD entgegentritt. Seine vielfältigen Initiativen bildet er in seinem stets aktuellen Blog (http://schwandorf-gegen-neonazis.blog.de) ab.

Für die Neumarkter Schüler waren aber auch stark die persönlichen Begegnungen im Anschluss an die Feierstunde Gewinn bringend. Viele Anregungen und neue Kontakte lassen erwarten, dass sicherlich bald weitere Aktionen angestoßen werden, welche die Bürgerinnen und Bürger in Neumarkt und Umgebung zu aktivem Handeln für eine wehrhafte Demokratie anregen.

Familie Weber mit den Preisträgern
Die Preisträger mit Familie Weber,Johannes Lochner und Florian Thurow

Thomas J. Kraus

Fotos:privat