Willibald-Gluck-Gymnasium

Gluck-Codex: Didaktische Umsetzung

Arbeitsphase Inhalt Material/Arbeitsform/
Arbeitsaufträge
Einstieg Begriffsklärung „Codex“ Gitterrätsel (OHP oder
Tafel)
Erarbeitung Verteilung des Codex Kopien des Flyer
Einteilung in Gruppen (pro
Verfassungspunkt eine
Gruppe)
szenische Umsetzung Jeder Gruppe wird eine
einzelner Punkte Szene vorgegeben, die im
Sinne des Codex
weitergeführt werden soll
ErgebnissicherungPräsentation und weitergeführte Szenen
Vertiefung werden mit verteilten
Rollen vorgelesen, Ergebnis
wird besprochen
sukzessive gem. Lesen des
Flyers
Gestaltung eines DinA 3 Gruppenarbeit
Plakates mit Symbol und farbiges DinA 3 Papier
konkreter Verhaltensregel
für den vorgestellten
Punkt

Gluck Codex
Entwurf für die Jahrgangsstufen 8-13

1. Rätsel

1
2
3
4
5
  1. sich in den Dienst einer Sache stellen/gestellt werden
  2. die Gemeinschaft betreffend
  3. ist das halbe Leben
  4. ohne Zwang
  5. biegsam
1 V E R P F L I C H T U N G
2 S O Z I A L
3 O R D N U N G
4 F R E I W I L L I G
5 F L E X I B E L

2. Versuch einer Definition:

Codex:lat. Holzklotz
Sammlung von Gesetzen, Handschriften usw.
Sammlung von Verhaltensweisen, die in den unterschiedlichsten Umgebungen
und Zusammenhängen abhängig von der jeweiligen Situation angewandt werden können/sollen.
Die Zielgruppe ist nicht zwingend an die Einhaltung bestimmter Verhaltensweisen gebunden,
sondern über Selbstverpflichtung und freiwilliger Selbstkontrolle.

3. Szenische Umsetzung einzelner Oberbegriffe

Solidarisches Miteinander

Ayse, 16, ist ein Nervenbündel. Was sie im Unterricht auch sagt, wird kommentiert: „Wann lernst du endlich Deutsch?“ „Dürfen bei euch Frauen überhaupt den Mund aufmachen?“ „Fenster auf, die stinkt aus dem Mund!“ In der Pause muss sie durch ein Jungenspalier laufen, jeder versucht, sie anzufassen, und dabei johlen sie: „Oh hoffentlich kommt nicht dein großer Bruder, wo du doch hier alle anmachst!“ Ayse hat Angst ihrer Familie davon zu erzählen, denn ihr Vater würde sie dann sicherlich von der Schule nehmen. Also schweigt sie, nimmt schlechte mündliche Noten in Kauf, erträgt das Gegrapsche in den Pausen. Nur eine Gruppe Mädchen aus ihrer Klasse versuchen manchmal, sie vor den blöden Sprüchen der Jungs in Schutz zu nehmen, aber die Angst, dann selber „zum Abschuss freigegeben zu werden“, lässt ihre Versuche halbherzig werden.

Beschreibt die Gefühle von Ayse, der Jungen- und der Mädchengruppe. Wie kann dieser Konflikt gelöst werden?

Respekt und Wertschätzung

Dorian, 16, ist nach Ostern neu an die Schule gekommen und sitzt seit dem in der 10a neben Daniel, 16. Der Platz war frei geworden, weil Daniels bester Freund und Tischnachbar Tim in ein anderes Bundesland gezogen ist. Daniel leidet sehr unter dieser Veränderung, denn er und Tim waren ein gutes Team, haben sich bei Hausaufgaben gegenseitig gut ergänzt, waren in Basketball und Fußball bestens aufeinander eingespielt und haben sich über alles Mögliche unterhalten können. Mit Dorian kann Daniel überhaupt nichts anfangen. Er findet den Neuen langweilig, weil er sich nur für Computer interessiert und eine richtige Couch-Potatoe ist. Dorians ironische Bemerkungen über Lehrer und Mitschüler empfindet Daniel als arrogant. Wer selber so einen blöden Namen hat, darf sich nicht gleich über andere lustig machen.

Versucht euch in Dorian und Daniel hineinzuversetzen. Welche Gefühle haben sie? Welche Probleme? Wie verhalten sie sich? Wie sollen sich andere verhalten, die den Konflikt kennen?

Toleranz und Gewaltlosigkeit

Jens, 15, ist der Klassenloser. Seit er sich für Marie eingesetzt hat, die eine Weile gemobbt wurde, nennt man ihn „Memmenstütze“ oder „Rockschützer“. Aus seinem Ordner verschwinden regelmäßig die Hausaufgaben, in seinem Sportbeutel steckte zuletzt ein rosa Schlüpfer. Wenn er sich in der Stunde meldet, hört man ein Grunzen, denn Jens Vater züchtet Schweine. Jens ist ein guter Schüler, doch Thomas, der Anführer der Mobbingbande, hat ihm angedroht, dass er seine Schneidezähne einbüßt, wenn er sich bei den Lehrern weiter einschleimt. Heute findet ein Mathetest statt. In Mathe ist Jens besonders gut. Als er gerade mit den Aufgaben beginnen will, dreht sich Thomas zu ihm um und zeigt ihm die Faust.

Versucht euch in Jens, Thomas und Marie hineinzuversetzen. Welche Gefühle haben sie? Welche Probleme? Wie verhalten sie sich? Wie sollen sich andere verhalten, die den Konflikt kennen?

Fairness

Herr Metzler ist ein junger Lehrer mit den Fächern Französisch und Sport. Vor allem in Klassen der Mittelstufe fällt es ihm manchmal schwer, sich durchzusetzen. Im Unterricht lässt er sich leicht ablenken, was von manchen Schülern gerne ausgenutzt wird. So hat er immer wieder Schwierigkeiten, seinen Stoff durchzukriegen. Anne, 15, und Bernd, 16, haben sich im letzten Schuljahr oft geärgert, wenn Herr Metzler in Französisch der Rest der Stoffs als Hausaufgabe aufgegeben hat und auf Fragen konfus geantwortet hat. Beim Fußballspiel Lehrer gegen Abiturienten spielt Herr Metzler als Stürmer in der Lehrermannschaft. Anne und Bernd haben beschlossen, ihren Lehrer „anzufeuern“ und tragen ein großes Transparent mit dem Text: „Herr Metzler, enttäuschen Sie uns nicht so wie in Französisch!“

Versucht euch in Herrn Metzler, Anne und Bernd hineinzuversetzen. Welche Gefühle haben sie? Welche Probleme? Wie verhalten sie sich? Wie sollen sich andere verhalten, die das Plakat sehen?

Kritikfähigkeit

Andrea und Simone haben eine Riesen-Wut auf ihren Lateinlehrer Herrn Heinisch. Er hat sie bei der letzten Schulaufgabe auseinandergesetzt und damit die letzten Hoffnungen für Simone, keine 6 ins Zeugnis zu bekommen, vernichtet. Jetzt hat er es auch noch abgelehnt, ihr ein Zusatzreferat zu geben, um die mündliche Note zu verbessern. Am Nachmittag sitzen die beiden bei Simones Mutter zum Kaffeetrinken und schütten ihr Herz aus. Sie beschweren sich dass Herr Heinisch sich auf diese Weise für das Schwätzen im Unterricht rächen will. Dabei hält er sich an Simone, denn an Andrea traut er sich nicht ran, weil ihr Vater im Stadtrat ist. Simones Mutter beschließt, sich direkt an den Schulleiter zu wenden um die Sache schnell und an oberster Stelle vorzutragen, bevor der Notenschluss verstreicht.

Versucht, euch in Andrea und Simone hinzuversetzen und beurteilt ihr Verhalten. Wie lässt sich dieser Konflikt lösen?

Engagement und Verantwortungsbewusstsein

In diesem Schuljahr werben die Verbindungslehrer in den 10. und 11. Klassen wieder um Tutoren für die 5.-Klässler. Doch niemand findet sich bereit. Im doppelten Abiturjahrgang schaut jeder auf sich: die schulischen Anforderungen sind hoch, der Nachmittagsunterricht hat zugenommen, für die meisten steht dieses Jahr zu viel auf dem Spiel. Wer neben dem Unterricht noch ein bisschen Luft hat, macht Führerschein, hat einen Job oder will einfach nur abhängen. Für die 5.-Klässler interessiert sich keiner. Die werden schon irgendwie durchkommen. Das haben bisher noch alle gepackt und wenn nicht, konnte es ein Tutor bis jetzt auch nicht verhindern.

Versucht euch in Schüler der 5. Jahrgangsstufe hinein zu versetzen: Welche Bedeutung haben die Tutoren für sie? Wie kann 10-. und 11.-Klässler für diese Aufgabe begeistern?