Willibald-Gluck-Gymnasium

Science-on-Stage 2015 in London – Eindrücke vom Festival

Im Juni 2015 fand das europäische Bildungsfestival Science-on-Stage in London statt, an dem ich teilnehmen durfte. Gespannt war ich auf das Event, das den Veranstaltern nach „eine Plattform für den europaweiten Austausch anregender Ideen und Konzepte für den Unterricht sein soll. Der Verein „Science-on-Stage“ der Verbindungen zum Verein MINT-EC hat, will die Attraktivität der MINT-Fächer in der Öffentlichkeit stärken und ein Netzwerk von MINT-Lehrern aller Schulformen in Deutschland und Europa sein. „Inspirierend“, dachte ich, als ich im November 2014 mit meinem Unterrichtskonzept „Modell eines modernen Stromnetzes“ zum Auswahlevent nach Berlin fahren konnte. Dort wählte eine Jury die deutsche Delegation für London aus nach Kriterien wie Praxisnähe, Kreativität und Schüleraktivität. An meinem Projekt lobte die Jury die Auswertung realer Daten von Energieerzeugern und –verbrauchern unseres Schulpartners N-ERGIE und die Projektarbeit, die die Schüler eigenständig leisten mussten. Neben meiner Unterrichtsidee gab es von den Deutschen z.B. ein Projekt, in dem Informatik mit Minecraft unterrichtet wurde (das dürfte gerade den Jungs aus der Unterstufe gefallen ;-)), ein Projekt, in dem ein Bienenstock durch Sensoren überwacht und ein Projekt, in dem ein Ionenföhn physikalisch untersucht wurde. Kurzfilme findet man hier. Gespannt blickte ich also dem Event von London entgegen und im Juni ging es dann los: Vier Tage Festival! Zunächst allerdings hieß es noch Abiturprüfung abnehmen und Koffer für den Flug packen. Mit Übergepäck kam ich am Flughafen an: Ein Beamer, zwei Computer, ein Arduino mit Leuchtdioden, Infomaterial und Plakate befanden sich im Handgepäck. Untergebracht waren alle Teilnehmer im Gästehaus der „Queen Mary Universität“ im quirligem East End von London.

Als ich zur Begrüßung in das große Auditorium ging, sah ich das Ausmaß der Veranstaltung: 450 Lehrkräft e aus ganz Europa von Portugal bis Bulgarien, jeglichen Alters, aus allen Schulformen strömten zur Eröffnung, die – oh Schreck! – ja auf Englisch war. Mit dem Hörverstehen hatte ich keine Probleme, doch mit dem Selbstsprechen würde ich anfangs schüchtern sein- hatte ich doch seit meiner Schulzeit kaum mehr Englisch gesprochen. Im Laufe der Tage legte sich die anfängliche Befangenheit beim Austausch mit Kollegen, stand doch die Sache im Vordergrund und nicht die perfekte Aussprache. Die Begeisterung machte Sprachhürden überwindbar!

Nach der Begrüßung nahmen die Delegierten die Ausstellungsräume in Beschlag. Jedes Projekt erhielt einen eigenen Stand, den man nach Herzenslust gestalten konnte. „Toll“, dachte ich mir, „ich mache genau das, was ich auch meinen Jugend forscht-Schülern beibringe, wenn diese ihr Forschungsprojekt an einem Stand präsentieren müssen.“ Also fix Beamer und PC angesteckt, Deko- und Infomaterial ausgelegt, Plakate aufgehängt und die Präsentation an die Stellwand geworfen. Doch Halt! – die Deutschen guckten erstaunt: es waren kaum Steckdosen da und manch einer hatte nicht an die britischen Adapter gedacht. Schließlich war das Verkabelungsproblem gelöst und alle Stände „erstrahlten im Glanz“.

Die nächsten Tage waren erfüllt von Vorträgen, Workshops und Besichtigungen der Stände. Ich lernte, wie man mit einer Art elektrisch leitendem Badeanzugsstoff und einem Messgerät die Atemfrequenz bestimmen kann und wie man mit einer leuchtenden Gurke entdeckendes Lernen initiiert. Ich bestaunte, wie aus Haushaltsgegenständen klassische Versuche zum Elektromagnetismus aufgebaut werden können. Ich sah ein selbst gebautes Modell eines kurzsichtigen Auges, an dem jeder Schüler versteht, warum eine Brille nötig ist. Ich betrachtete einen Film für Grundschüler, in dem erklärt wird, warum im Kernforschungszentrum CERN Teilchen aufeinander geschossen werden. In einem Ameisenprojekt wurden von Schülern Forschungen an einer Ameisenpopulation betrieben, die komplett in einer kleinen Eichel lebt! … Längst habe ich nicht alle Stände betrachten können und für die intensiven Gespräche mit Kollegen aus ganz Europa hätte ich gerne mehr Zeit gehabt.

Nach 4 Tagen hieß es Abschied nehmen vom Festival, nochmal ein Blick aus dem Fenster des Gästehauses auf den Kanal mit den Hausbooten, die Fahnen und Banner wurden abgenommen… Während ich mein letztes „full English Breakfast“ genoss, ratterten die Rollkoffer der Delegierten wieder über die Pflastersteine Richtung U-Bahn und Schulalltag.

Was ich vom Science-on-Stage-Festival mitnehme? Viele Ideen, noch mehr Begeisterung am Entdecken und Experimentieren, noch mehr Leidenschaft für die MINT-Fächer und wertvolle Erinnerungen an engagierte Kollegen von Schweden bis Griechenland.

Ulrike Englert