Willibald-Gluck-Gymnasium

Fachschaft Geschichte Statements

Warum
Geschichte
Gewählt

Franz Xaver Beer:
zitiert das Motto des historischen Vereins:
„Mit der Vergangenheit vertraut, der Gegenwart verpflichtet, für Zukunft offen.“

Wilfried Gelo:
Dass ich gerne Geschichte unterrichte, hat vor allem zwei Gründe. Erstens: Die Zukunft ist mithin eine schwierige Sache. Kennt man die Geschichte, dann lässt sich in Richtung Zukunft fundierter handeln, weil man auf die Erfahrungen und Entscheidungen vieler Generationen und Kulturen aufbauen kann. Zweitens: Man versteht aber auch die eigene Gegenwart und damit sich selbst besser. Schließlich gewinnt man über historisches Wissen auch Spielräume. Denn das, was man für selbstverständlich oder alltäglich hält, hatte dereinst eine gänzlich andere Gestalt oder existierte einfach gar nicht.

Stephan Kampe
Dicebat Bernardus Carnotensis nos esse quasi nanos gigantum umeris insidentes, ut possimus plura eis et remotiora videre, non utique proprii visus acumine, aut eminentia corporis, sed quia in altum subvehimur et extollimur magnitudine gigantea.

Bernhard von Chartres sagte, wir seien gleichsam Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen, um mehr und Entfernteres als diese sehen zu können - freilich nicht dank eigener scharfer Sehkraft oder Körpergröße, sondern weil die Größe der Riesen uns hoch emporhebt.

Sir Isaac Newton greift die vielfach überlieferte Sentenz 1675 in einem Brief auf und stellt so sein Projekt einer modernen Naturwissenschaft auf die Schultern seiner Lehrmeister. Im zitierten Geschichtsbewusstsein demonstriert er einerseits Bescheidenheit, indem er historische Vorleistungen würdigt – und andererseits Selbstbewusstsein, indem er sich eines festen Standpunktes versichert. Erst von dort aus kann er Überblick gewinnen, weiter schauen, mehr sehen, schließlich seine Ideen projizieren.
Wir sehen heute wiederum schärfer als Newtons Optik es erlaubte, können den Grundgedanken dahingehend relativieren dass es nicht nur die Leistungen großer Männer sind, sondern gleichermaßen Irrtümer und Erkenntnisse, Verwerfungen und Aufbrüche, Einbrüche und Wiederaufbauten, also ganz vielfältig gelagerte Sedimente vergangener Kulturen und Sprachen, die den Boden unter unseren Füßen bilden und so jeden individuellen Lebensweg führen. Dass es mitunter sinnvoller wäre, wie der universal gebildete Isaac Newton wenigere, dafür vertieftere Grabungen anzustellen und die Gesteinsschichten genauer zu lesen, als sich über globale Grabungskompetenzen zu unterhalten oder durch flüchtige Probebohrungen unterhalten zu lassen, dies könnte ein historisches Standpunktbewusstsein auch im schulischen Areal fördern.
Kurz: Geschichte, richtig verstanden, bringt Standpunktvorteile.

Zitate:

Johannes von Salisbury: Metalogicon 3,4,46-50, hrsg. Von John B. Hall: Ioannis Saresberiensis, Brief an Robert Hooke, 5. Februar 1675/76.

Walter Haug: Die Zwerge auf den Schultern von Riesen. Epochales und typologisches Geschichtsdenken und das Problem der Interferenzen, in: Walter Haug: Strukturen als Schlüssel zur Welt, Tübingen 1989, S. 86-109

Robert K. Merton: Auf den Schultern von Riesen. Ein Leitfaden durch das Labyrinth der Gelehrsamkeit, Syndikat, Frankfurt 1980. [Soziale Konstruktion von Wissen!]

Albert Zimmermann: »Antiqui« und »Moderni«. Traditionsbewußtsein und Fortschrittsbewußtsein im späten Mittelalter, Berlin 1974.

Peter Rohrseitz:
Man kann falsches Verhalten und Fehler nur dann vermeiden, wenn man aus falschem Verhalten und Fehlern in der Vergangenheit (Geschichte) lernt. Deshalb muss man sich mit Geschichte beschäftigen!

Jürgen Wittl:
Zitiert Richard Weizsäcker wie folgt: „Das wichtigste soziale Ziel der Erziehung, und zwar im persönlichen wie im politischen Sinn, ist es, nicht Gegnerschaft zu lernen, sondern miteinander auszukommen, zusammenzuleben. Die ganze Kulturgeschichte der Menschheit ist durchzogen vom Aufbau und von der Weitergabe der mühsam angesammelten Erfahrung, wie man zusammenlebt.