Willibald-Gluck-Gymnasium

Projekttag Big Data am WGG

Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen diskutieren die Auswirkungen der Digitalisierung auf unseren Alltag.

Unsere Welt verändert sich gerade rasant. Die Digitalisierung wird unsere Lebensweise in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wohl mindestens so stark umwälzen, wie das die Industrialisierung im 19. Jahrhundert getan hat. Dabei fußt diese Entwicklung auf zwei Fundamenten: dem „Werkzeug“ (vernetzte) Computertechnik und dem „Rohstoff“ Big Data.

Unter dem Begriff Big Data versteht man die Anhäufung riesiger Datenmengen, die heutzutage insbesondere bei der Nutzung von „smarten“ Geräten wie PCs, Handys, Tablets und zunehmend auch weiteren vernetzten Alltagsgegenständen wie etwa Smart-TVs anfallen. Der Erfolg moderner Unternehmen in der Digitalwirtschaft basiert zu einem großen Teil auf der automatisierten Auswertung solcher Daten. Suchmaschinen wie Google liefern auf dieser Grundlage treffende Suchvorschläge, Amazon bietet uns (oft erschreckend) zu unseren Vorlieben passende Produkte an, Facebook lernt uns dadurch so gut kennen, dass Mark Zuckerbergs Unternehmen mit personalisierter Werbung Milliardengewinne erwirtschaftet, der Video-on-demand-Dienst Netflix hat damit das Fernsehen revolutioniert. Und diese Technik ist die Grundlage für zahlreiche weitere Zukunftstechnologien, die unsere Welt verändern werden: Autos können dadurch wohl in absehbarer Zeit autonom fahren, in der Medizin eröffnen sich völlig neue und sehr erfolgversprechende Therapiemöglichkeiten, durch die optimierte Automatisierung der Industrieproduktion werden Produkte qualitativ verbessert, in der Herstellung günstiger und individuell anpassbar. Big Data bietet ein schier unerschöpflich scheinendes Potenzial.

Gleichzeitig gilt es aber zu überlegen, wo ungeklärte Fragen oder sogar mögliche Gefahren lauern: Wem gehören eigentlich die (Nutzer-)Daten? Wie sind unsere Vorstellungen von Privatsphäre und Datenschutz damit vereinbar? Führt die Anhäufung unheimlicher Datenmengen in der Hand einiger weniger privater Unternehmen nicht zu einer problematischen Machtkonzentration? Wie soll der Einzelne, wie die Politik auf diese Entwicklungen reagieren?

Über solche Fragen wurde am Dienstag im Projekttag „Big Data“ am WGG diskutiert. Die Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe setzten sich in Rollenspielen und anderen Lerneinheiten intensiv mit der Thematik auseinander. Dabei wurde behandelt, wie Algorithmen arbeiten, wo im Alltag Daten anfallen, welche Vor- und Nachteile die Technik für den Einzelnen und unser Zusammenleben im Ganzen haben kann und welche ethischen und gesellschaftlichen Fragen dabei diskutiert werden müssen.

Mit dem Philosophen Prof. Dr. Karsten Weber vom Institut für Technikfolgenabschätzung an der OTH Regensburg hatte man einen profunden Kenner der Materie für die Veranstaltung gewonnen, der in einem Abschlussvortrag zum Thema „Sind Daten das neue (Erd-)Öl?“ der Frage nachging, welche Folgen es für unsere Gesellschaft haben kann, wenn einzelne Unternehmen wie etwa Google, Facebook oder Amazon über eine herausgehobene Marktmacht im Umgang mit Daten verfügen. An diesen Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an, die zeigte, dass die Jugendlichen ihre Umwelt mit wachem und kritischem Blick betrachten und sich beileibe nicht nur unreflektiert dem Medienkonsum hingeben.

Die Forderung, die Schulen müssten sich stärker für die Digitalisierung öffnen, ist derzeit in aller Munde. Noch immer wird dabei diskutiert, wie genau dies geschehen soll. Vielleicht liegt gerade in solchen Veranstaltungen eine mögliche Antwort.