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Die Messung der Gravitationskonstanten – ein Projekt von interessierten Schülern aus unseren 11. Klassen
Autor: S. Lindner
Einleitung:
Die Messung der Gravitationskonstante steht nicht im Lehrplan der
11. Jahrgangsstufe des Gymnasiums (G9). Einzelne Schülerinnen und
Schüler sind aber immer wieder begeistert, wenn sie hören, dass die
winzigen Anziehungskräfte, die nach dem Gravitationsgesetz von Newton
zwischen allen Körper wirken sollten, also auch z. B. zwischen zwei
Schülerinnen oder Schülern, in der Schule gemessen werden
können. Newton war davon überzeugt, dass diese Kräfte viel zu klein
seien um jemals gemessen werden zu können.
Die Gravitation ist tatsächlich die bei weitem schwächste der vier
Grundkräfte der Natur (neben der Gravitationskraft gibt es noch die
starke und schwache Kernkraft und die elektromagnetische
Kraft). Trotzdem beherrscht sie als universelle Wechselwirkung
zwischen allen Teilchen und Körpern mit Masse infolge ihrer
unendlichen Reichweite das Geschehen im Universum: die Dynamik von
Kleinkörpern und Planeten im Sonnensystem genau so wie die Vorgänge in
den unvorstellbar großen Dimensionen von Galaxien und
Galaxienhaufen. Das fundamentale physikalische Gesetz, nach dem sich
punktförmig gedachte Massen stets anziehen, beschrieb erstmals Sir
Isaak Newton um 1680.Albert Einstein entdeckte 1915 in seiner
Allgemeinen Relativitätstheorie einen Zusammenhang zwischen der
Gravitationskraft und der Geometrie von Raum und Zeit.
Im Physikunterricht der 11. Jahrgangsstufe des Gymnasiums lernen die
Schülerinnen und Schüler das Gravitationsgesetz und die Gesetze von
Kepler kennen und auf einfache Beispiele rechnerisch an zu wenden. Die
experimentelle Bestimmung der Gravitationskonstanten G, die in Newtons
Gesetz vorkommt und die Newton selber noch nicht messen konnte, ist
zeitaufwändig. Die Ermittlung eines einigermaßen genauen Wertes dieser
für die Astrophysik wichtigen Naturkonstanten mit Hilfe einer
Torsions-Drehwaage eignet sich aber gut dazu, interessierte Schüler zu
motivieren, experimentell tätig zu werden und damit Physik gründlicher
zu verstehen. Über ein solches schon vor fast zwei Jahren begonnenes
Projekt mit einigen Schülerinnen und Schülern unserer 11. Klassen
möchte ich hier berichten.
Das Experiment und seine Geschichte:
Coulomb konstruierte 1784 eine sehr empfindliche Drehwaage. Sie wurde
1798 von Cavendish erstmals zur Bestimmung des Gravitationskonstanten
G verwendet. Eine Gravitations-Drehwaage nach dem Prinzip von Coulomb
und Cavendish ist auch in unserer Physiksammlung vorhanden (Abbildung
3). Jahrelang diente sie vorwiegend zu Demonstrationszwecken. Der
empfindliche Torsionsfaden war gerissen und der für die Justierung des
Torsionsbandes vorgesehene Drehknopf beschädigt. Für sinnvolle
physikalische Messungen war das Gerät nicht mehr brauchbar. Am Ende
des Schuljahrs 2004/2005 begeisterten sich einige Schüler der
damaligen Klasse 11b für das von mir angedachte Projekt, unsere
empfindliche Drehwaage zu reparieren und Messungen von G außerhalb des
Unterrichts durchzuführen. Es dauerte geraume Zeit, bis ein neuer,
geeigneter Metallfaden aus Bronze bestellt war und geliefert werden
konnte. Für den Einbau des filigranen Bronzefadens in die Drehwaage
konnten wir den Optikermeister Herrn Fritz Nidermayer aus Neumarkt
gewinnen. Er bot uns bei allen Pannen und Problemen seine großzügige
Unterstützung an. Bei dieser Gelegenheit möchte ich ihm auch im Namen
der Schülerinnen und Schüler nochmals herzlich für seine
Hilfsbereitschaft danken. Im neuen Schuljahr 2005/2006 bildete sich
spontan eine aus zwei Schülern der ehemaligen 11b bestehende
Arbeitsgruppe (Alexander Proksch und Sebastian Obermeyer). Die beiden
Kollegiaten wollten nach der Reparatur der Drehwaage genaue Messungen
der Gravitationskonstanten durchführen. Nachdem noch eine massive
Steinplatte als Standort für Gravitationsdrehwaage an der Wand des
Physiksaals befestigt worden war, konnten wir im Januar 2006 eine
erste erfolgreiche Messung durchführen. Dann löste sich der dünne
Metallfaden der Drehwaage erneut aus der Halterung. Nach dem
Wiedereinbau hatten wir unerklärlicherweise große Schwierigkeiten, das
Präzisionsinstrument mit der erforderlichen Genauigkeit zu
justieren. Zeitaufwändige Justierversuche und mehr oder weniger
erfolglose Messungen zogen sich bis in den Januar 2007 hin. In den
Weihnachtsferien gelang es dann endlich, die Drehwaage so
einzustellen, dass sie ab Januar 2007 zufriedenstellend für längere
Zeit funktionierte – bis zum heutigen Tag (26. Juli 2007).
Alexander und Sebastian führten bis unmittelbar vor Beginn der
intensiven Vorbereitungsphase für das Abitur einige Messungen
durch. Sie bestimmten jeweils nach einer sorgfältigen Beobachtung der
Gleichgewichtslage des Pendels möglichst genau seine Schwingungsdauer
T, die Länge L des Lichtzeigers zur Beobachtung der Auslenkung des
Pendels und den Abstand zwischen den beiden Gleichgewichtslagen des
Systems (Endausschlag S) auf einem Beobachtungsschirm.
Inzwischen hatte ich wieder eine 11. Klasse (11e im Schuljahr
2006/2007) in Physik. Nun konnten wir die Messung der
Gravitationskonstanten ohne große Vorbereitungszeit als ergänzendes
Unterrichtsprojekt durchführen. Die Schüler Daniel Gottschalk, David
Hink, Dominik Kraus, Michael Mosburger, Christoph Summersamer und
Amadeus Trubig (siehe Foto 1) nahmen die Messwerte auf.

Auch einige andere Schülerinnen und Schüler der Klasse 11e beteiligten sich am Projekt.
Foto 1 und 2: Schüler der Klasse 11e (Schuljahr 2006/2007)
Die Formel zur Bestimmung von G:
Aus den Eigenschaften eines Torsionspendels (physikalisches Prinzip
der Drehwaage nach Cavendish, siehe Anhang) berechnet man den
folgenden Zusammenhang zwischen der zu bestimmenden
Gravitationskonstanten G und messbaren Größen (vergleiche auch
Leybold, Gerätekarte 33210).

Die Bedeutung der einzelnen Größen in dieser Formel wird in der
folgenden Tabelle dargestellt. Die zum Teil grob geschätzten
bzw. durch genaue Messung ermittelten relativen Fehler sind in der
letzten Spalte angegeben:
Tabelle 1:
| pi |
Kreiszahl |
pi = 3,141 |
|
| b |
Abstand der Mittelpunkte der Bleikugeln des Drehpendels |
b = 5,0cm |
Fehler: 3% (geschätzt) |
| d |
Abstand der kleinen Bleikugeln von der Drehachse (Torsionsfaden) |
d = 5,0cm |
Fehler: 0,5% (geschätzt) |
| m1 |
Masse einer großen Bleikugel |
m1 = 1,5kg |
Fehler: <0,1% (gemessen) |
| T |
Periodendauer des Drehpendels |
Messgröße |
Fehler: 2% |
| S |
Endausschlag: Abstand der Gleichgewichtslagen des Lichtzeigers auf einem Beobachtungsschirm |
Messgröße |
Fehler: 3% |
| L |
Länge des Lichtzeigers |
Messgröße |
Fehler: 0,5% |
 |
Die Gravitationsdrehwaage nach Cavendish |
Alexander Proksch
Die Messwerte der Einzelmessungen und die Messergebnisse:
Tabelle 2:
| T (min) |
10,2 |
10,5 |
10,9 |
10,5 |
9,20 |
10,5 |
| T (sec) |
612 |
630 |
654 |
630 |
552 |
630 |
| S (m) |
0,24 |
0,23 |
0,28 |
0,26 |
0,23 |
0,34 |
| L (m) |
8,50 |
7,86 |
8,67 |
8,72 |
9,55 |
9,62 |
| b (m) |
0,0495 |
0,0495 |
0,0495 |
0,0496 |
0,0495 |
0,046 |
| d (m) |
0,05 |
0,05 |
0,05 |
0,05 |
0,05 |
0,05 |
| m1 (kg) |
1,50 |
1,50 |
1,50 |
1,50 |
1,50 |
1,50 |
| Datum |
16.01.2007 |
30.01.2007 |
06.03.2007 |
13.03.2007 |
07.07.2007 |
18.07.2007 |
| G |
6,08⋅10-11 |
5,94⋅10-11 |
6,09⋅10-11 |
6,08⋅10-11 |
6,37⋅10-11 |
6,20⋅10-11 |
| G(korr) |
6,61⋅10-11 |
6,46⋅10-11 |
6,62⋅10-11 |
6,61⋅10-11 |
6,93⋅10-11 |
6,74⋅10-11 |
G = 6,67⋅10-11
G ist der Mittelwert aus 6 korrigierten
Einzelmessungen (siehe Formel 2 unten). Die Notwendigkeit einer
Korrektur des nach obiger Formel 1 ermittelten Wertes von G ergibt
sich aus der Tatsache, dass jede der beiden kleinen Kugeln des
Drehpendels von jeder großen Kugeln angezogen wird. Aus geometrischen
Überlegungen (siehe Leybold Gerätekartei 332 10) berechnet man die
folgende Korrektur-Formel:

mit dem sich daraus ergebenden Korrekturfaktor 1,0873. Die
korrigierten Werte von G stehen in der letzten Zeile der Tabelle
2. Der Mittelwert der von uns bestimmten Gravitationskonstanten
beträgt somit
.
Die Maßzahl des Mittelwertes unserer Messungen stimmt mit dem auf
zwei gültige Ziffern gerundeten zur Zeit etablierten Laborwert

überein. Die relative Genauigkeit des Mittelwertes beträgt rund
4 %.
Diskussion der Messfehler und Genauigkeit der Messungen:
Die Gravitationskonstante kann in der Schule jedenfalls
größenordnungsmäßig und im günstigsten Falle auf eine gültige Ziffer genau ermittelt werden. Die
relative Genauigkeit des Mittelwertes beträgt nach unseren sehr
optimistischen Schätzungen (Tabelle 1) rund 4 %. Der
Gesamtfehler für eine Einzelmessung von G liegt bei sorgfältiger
Fehleranalyse der einzelnen Messgrößen b, d, m1, T, S und L (siehe
Tabelle 1) in der Gegend von 8 %. Das zeigen folgende
Überlegungen:
Die Masse der großen Kugeln kann mit einer Genauigkeit von
1 ‰ oder weniger ermittelt werden. Der Abstand der
kleinen Kugeln des Drehpendels von der Rotationsachse wird vom
Hersteller mit 0,050 m angegeben. Eine mögliche relative
Abweichung vom Herstellerwert wurde auf 0,5 % geschätzt. Die
Messfehler von T, S und L betrugen bei unseren Messungen im Mittel
2 %, 0,5 % und 3 %. Damit lässt sich der relative
Gesamt-Fehler für eine Einzelmessung von G berechnen. Es gilt:



Alle Maßzahlen unser Messungen liegen im erwarteten Intervall von
[6,2⋅10-11; 7,2⋅10-11].
Die folgende Abbildung 1 zeigt ein Beispiel für die Auslenkung des
Drehpendels und das exponentielle Abklingen der Amplitude in
Abhängigkeit von der Zeit. Die hier dargestellte Elongation wurde mit
Hilfe eines Lichtzeigers der Länge L auf einem Beobachtungsschirm im
Abstand L von der Drehwaage in zeitlichen Abständen von 30 Sekunden
abgelesen und mit Excel ausgewertet.

Auslenkung des Drehpendels
Professionelle Messung der Gravitationskonstanten
Die Messung der Gravitationskonstanten ist auch heute noch – mehr
als 200 Jahre nach Cavendish’s erstem Versuch – schwierig und die
Messergebnisse sind im Vergleich zu anderen Naturkonstanten nicht
besonders genau. Unumstritten sind – abgesehen vom relativ stark
abweichenden Wert der Technischen Physikalisch Bundesanstalt in
Braunschweig (siehe Tabelle 3) eigentlich nur die ersten drei
Ziffern:

Der offizielle Literaturwert, der auch in physikalischen
Formelsammlungen steht:

Nach Meinung der meisten Experten ist der zur Zeit genaueste Wert
für die Gravitationskonstante

der 1982 von den amerikanischen Physikern Gabe Luther und William
Towler bestimmt wurde. Die Genauigkeit dieser Messung wird zwar mit 64
ppm angegeben (1 ppm = 1 Millionstel = 0,0001 %
), die Abweichungen zu anderen Messungen betragen aber rund
0,5 % (siehe Tabelle 3). In nächster Zeit möchte man die
Fehlergrenze für die Maßzahl von G bis auf 10 ppm reduzieren,
um somit - wie die Physiker sagen - eine Größenordnung an Genauigkeit
für diese wichtige Naturkonstante zu gewinnen.
Tabelle 3:
| Labor |
 |
Genauigkeit in ppm |
| NIST (Luther, Williams) |
6,67259(85) |
64 |
| Uni Zürich (F. Nolting) |
6,6749(14) |
210 |
| PTB (1995) |
6,71540(56) |
83 |
| Uni Wuppertal (199) |
6,6735(913) |
240 |
| Karagoiz (Russland) |
6,6729(5) |
64 |
Internetadressen:
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Anschrift:
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| 26.05 Beginn der Pfingstferien (bis einschließlich 10.06.) |
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